Geschichte

Die wohltätige und zerstörende Kraft des Feuers begleitet uns Menschen von der Wiege bis zum Grabe. Wenn Schiller in seinem "Lied von der Glocke" eine Feuersbrunst mit den Worten schildert:

"Balken krachen, Pfosten stürzen,
Fenster klirren, Kinder jammern,
Mütter irren, Tiere wimmern unter Trümmern, "

dann steigt auch dem, der noch niemals Zeuge eines größeren Brandes zu sein brauchte, die erschreckende Furcht vor dem geistigen Auge auf. Umso erstaunlicher ist es aber dennoch, wenn heute weite Kreise der breiten Öffentlichkeit sich keine Gedanken machen über den Sinn und Zweck des Brandschutzes. Viele erkennen nicht die Notwendigkeit der Freiwilligen Feuerwehren und können sich kaum ein Bild darüber machen, welches Maß an Leistungen aufgebracht werden muss, um den Anforderungen gerecht zu werden, die an allen Einsatzstellen der Feuerwehr obliegen. Der brave Feuerwehrmann ist für die breite Öffentlichkeit "das Mädchen für alles", das da hilft, wenn Not am Mann ist.

Unter der Parole: "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" ist die Freiwillige Feuerwehr zu jeder Tages- und Nachtzeit in steter Hilfsbereitschaft im Kampf gegen die vernichtenden Elemente, gegen Feuer, Wasser und Sturm. Diese Erkenntnis führte am 16. Dezember 1891 folgende 54 Sorsumer Männer zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in der Gaststätte Chr. Schwetje zusammen:

Meyer, Joachim
Schwetje, Christof
Koch, Johannes
Bruns, Karl
ter Jung, Wilhelm
Holze, Johann
Wächter, Bernhard
Schlemeyer, Chr. jun.
Wächter, Eduard
Bode, Karl
Lambrecht, Heinrich
Lambrecht, Josef
Lambrecht, August
Lambrecht, Bernard
Stillig, Bernard
Delmhorst, Bernard
Fricke, Heinrich sen.
Kindervater, Chr.
Klöpper, Heinrich
Möller, Johann
Philipps, Heinrich
Koch, Josef sen.
Löbke, Johannes
Beuke, Heinrich
Schlote, Heinrich
Marheineke, Bernhard
Möller, Bernard
Linnemann, Heinrich
Brunotte, Heinrich sen.
Brunotte, Heinrich jun.
Möller, Heinrich
Sürig, Fritz
Ossenkopp, Heinrich l
Ossenkopp, Heinrich 11
Albrecht, Chr. sen.
Ossenkopp, Bernard
Stillig, Wilhelm
Bleul, Hermann
Brauckmann, Heinrich
Vorwerk, Heinrich
Aschemann, Wilhelm
Möhle, Johannes
Marheineke, Heinrich
Holze, Franz
Markworth, Johannes
Bartels, Johannes
Marheineke, Josef
Düwel, Fritz
lngelmann, Heinrich
Aue, Josef
Hoops, Hermann
Möller, Josef
Markwort, Karl
Pieper, Edmund


Da die Anzahl als genügend betrachtet wurde, schritt man sofort zur Organisation des Corps. Unter dem Vorsitz des Herrn Gemeindevorstehers B. Möhle wurde die Wahl der Choristen vorgenommen.

Es wurden gewählt:

Herr Joachim Meier zum ersten Hauptmann
Herr Christof Schwetje zum zweiten Hauptmann
Herr Johannes Koch zum ersten Spritzenmeister
Herr Karl Bruns zum zweiten Spritzenmeister
Herr Walter Jung zum Obersteiger
Herr Joh. Holze zum Stellvertreter
Herr Bernhard Wächter zum Oberführer der Schutzmannschaft
Herr Chr. Albrecht jun. zum Stellvertreter
Herr H. Marheineke III zum Rohrführer
Herr Karl Bode zum Bindemeister
Herr B. Delmhorst zum Schriftführer
Herr Joh. Möhle jun. zum Rechnungsführer

Als erstes wurde beschlossen, dass die Röcke aus eigenen Mitteln und die sonstigen Ausrüstungsgegenstände aus der Corpskasse von der Fa. Rannenberg aus Hannover bezogen werden sollen.

Am 1 . Januar 1892 trat die Wehr dem Feuerwehrverband und der Feuerwehrunterstützungskasse für die Provinz Hannover bei. Jeder verpflichtete sich, einen Jahresbeitrag von 75 Pf zur Unterstützungskasse und 1 Mark 20 Pf zur Corpskasse zu zahlen. Die Gemeinde Sorsum verpflichtete sich, von dem ersten Beitrag einen Betrag von 50 Pf zu übernehmen.

Ebenfalls stellte die Gemeinde Sorsum die erst neu angeschaffte Spritze der Wehr zur Verfügung.

Bereits am 2. Februar 1892 konnte der erste Appell in voller Ausrüstung abgehalten werden. Die Ausbildung der Wehr erfolgte nach der Sächsischen Übungsvorschrift.

Am 4. und 5. Juli 1892 wurde beim Gastwirt Fritz Düwel das erste Stiftungsfest in Zelten gefeiert. Bei dieser Gelegenheit wurde der Wehr vom Kaufmann C. Markwort eine Fahne in deutscher Reichsfarbe überreicht. Zu diesem Stiftungsfest waren die Feuerwehren von Harsum, Moritzberg, Himmelsthür und Söhre erschienen.

Weiter berichtet das Protokollbuch, dass am 4. März 1893 der erste Brandeinsatz war. Es handelte sich um einen Schornsteinbrand beim Kaufmann Joachim Meyer.

Am 8. April 1894 nachmittags um 4.00 Uhr hatte die Wehr eine Versammlung beim Gastwirt Chr. Schwetje, als plötzlich ein Feuerruf erschallte. Es brannte im Hildesheimer Walde und in der Gemeindeforst von Sorsum. Die Wehr erhielt für den Einsatz von der Stadt Hildesheim eine Prämie von 50,- Mark und von der Sorsumer Forstgenossenschaft 28,- Mark.

Nach diesen beiden ersten Brandeinsätzen musste die Wehr bis zu ihrem 100 jährigem Bestehen zu weiteren 176 Brand- und Katastropheneinsätze ausrücken. Hierbei sind die Jahre von 1939-1947 ausgeklammert, da in dieser Zeit keine Protokolle geführt werden durften. In diese Zeit fallen unter anderem die Einsätze der Sorsumer Wehr nach den schweren Bombenangriffen in Hildesheim, Himmelsthür und Emmerke. Diese Einsätze liefen mit der damaligen Tragkraftspritze über mehrere Tage unter härtesten Bedingungen.

Nachdem der erste Aufbau der Wehr erfolgt war, ist bereits am 8. und 9. Juli 1894 ein weiterer Höhepunkt zu verzeichnen. Bei diesem 3. Stiftungsfest, das als Zeltfest wieder bei Fritz Düwel gefeiert wurde, erfolgte die Enthüllung einer neuen Feuerwehrfahne, die von den Frauen und Jungfrauen gestiftet war. Leider musste diese Fahne im Kriegsjahr 1942 bei einer Spinnstoffsammlung ebenso wie die Fahnen der übrigen Sorsumer Vereine abgegeben werden.

1901 erfolgte die Beschaffung neuer Uniformröcke zum Preise von 15-16 Mark. Von diesem Betrag mussten die Kameraden bei der ersten Quartalsversammlung 3,- Mark und dann bei neun weiteren Quartalsversammlungen je 50 Pf aus eigener Tasche zahlen. Am 23. Oktober 1905 wurde beim Gastwirt H. Aue der Kommers zum Richtefest des Neuerbauten Spritzenhauses gefeiert. Das Spritzenhaus war von der Gemeinde Sorsum erstellt. Die Freiwillige Feuerwehr hatte einen Zuschuss von 200 Mark hierzu gegeben.

Nach dem l. Weltkrieg wurde im Juni 1920 das durch den Krieg ausgefallene 25jährige Stiftungsfest in der Feldscheune des Klostergutes gefeiert. In Verbindung mit diesem Fest war in Sorsum der Kreisfeuerwehr-Verbandstag.
Der Festbeitrag betrug für die Kameraden 10 Mark, alle übrigen Festteilnehmer zahlten 1 Mark Eintritt, die Herren 7 Mark und die Damen 3 Mark Tanzgeld.

Nachdem in den verflossenen Jahren die Versammlungen in den Gaststätten der Kameraden Fritz Düwel (später Düring), Josef Aue und Chr. Schwetje abgehalten wurden, war ab 22. März 1922 die Gastwirtschaft Schwetje Vereinslokal.

Am 28. Oktober 1923 (Inflationszeit) wurde bei der Quartalsversammlung beschlossen, den Beitrag für das letzte Quartal auf 1/2 Milliarde Mark anzuheben.
Am Schluss dieser Versammlung wurde die Ehrentafel für die im 1. Weltkrieg gefallenen Kameraden enthüllt. Zur Bestreitung der Unkosten wurde beschlossen, 3 Pfund Weizen pro Kopf einzusammeln. Auch das hat es früher gegeben.

In der Niederschrift über den Brand der Scheune des Kameraden Karl Bruns ist folgendes verzeichnet: "Die Hildesheimer Motorspritze, welche ohne Befehl auf telefonischen Anruf eines Kameraden erschienen war, brauchte nicht in Tätigkeit treten."

Am 8. Juli 1926 erfolgte ein weiterer Großeinsatz der Wehr. Hierzu ein Protokollausschnitt: "Am 8. Juli 1926 wurde unser Ort von einer schweren Hochwasserkatastrophe heimgesucht, bei der viele Keller vollständig unter Wasser gesetzt wurden. Besonders schwer wurden die Einwohner des Oberdorfes betroffen. Das Wasser stieg so hoch, dass es in die Hauseingänge und in die unteren Räume der Häuser drang, auch unser Spritzenhaus stand 25 cm unter Wasser. Noch in den folgenden Tagen musste die Wehr Keller leer pumpen."

Am 12. März 1935 erhielt die Sorsumer Wehr die erste Motorspritze. Dieses war eine Anschaffung im Rahmen des Feuerlöschverbandes Sorsum, Himmelsthür, Emmerke, Groß- und Klein-Escherde. Hierzu kam später noch ein Feuerwehrauto. Bei Kriegsende erhielt die Wehr noch einen Audi-Personenwagen zum Brand- und Katastropheneinsatz und zum Krankentransport.

In den Jahren nach dem Kriege wurde mit diesem Auto mancher Krankentransport nach Hildesheim durchgeführt. Besonders hart waren diese Fahrten im Winter 1946/47. 1947 mussten diese Fahrten eingestellt werden, weil die Bereifung abgefahren war und neue Reifen nicht zu bekommen waren.

Nach dem 2. Weltkrieg war am 6. Juni 1946 die erste Versammlung der Wehr. Von diesem Zeitpunkt an erschienen wieder die Protokolle.

Zum Gedenken der im 2. Weltkrieg gefallenen Kameraden wurde am 30. Januar 1949 eine Gedenktafel enthüllt. Die Gedenktafeln der Gefallenen des 1 . und des 2. Weltkrieges sind inzwischen renoviert und haben heute einen Ehrenplatz im neuen Gerätehaus.

Wieder ein Höhepunkt unserer Wehr war am 27./28. Mai 1951 das 60jährige Stiftungsfest, das zugleich Feuerwehr-Verbandsfest war. Die Älteren können sich noch erinnern, dass morgens ab 10.00 Uhr bei den Kreisausscheidungskämpfen Regen einsetzte. Der Festzug wurde gegen 16.00 Uhr beim Nachlassen des Regens durchgeführt. Die Festrede auf dem Gutshof musste ausfallen, da es schon wieder stark regnete. Anwesend waren damals 5 Feuerwehrkapellen und 32 Wehren mit 377 Kameraden. Am Montag wurde dann der Festplatz vom Schlamm gereinigt und mit Kohlenasche abgedeckt, damit zum Festessen die Teilnehmer trockenen Fußes den Festraum erreichen konnten. Nachdem dieses Stiftungsfest sehr gut verlaufen war, hörte am Dienstag in den Morgenstunden der Regen auf.

Bei der Jahreshauptversammlung am 6.1.1951 wurde die im Jahre 1950 gegründete Kapelle als Musikzug in die Freiwillige Feuerwehr aufgenommen.

Am 5. Januar 1955 wurde durch die Gemeinde Sorsum der Wehr eine neue TS8-Ziegler-Kraftspritze übergeben, nachdem die im Jahre 1935 angeschaffte TS8-Kraftspritze nach 20jährigem Einsatz ausgedient hatte. Jahrelang wurde die TS8-Spritze auf einem Anhänger mit einem Trecker zu den Brandeinsätzen und auch zu den Wettkämpfen gefahren. Am 17. Dezember 1966 konnte die Wehr von der Gemeinde Sorsum ein neues Löschfahrzeug - LF 8 - übernehmen.

Und wieder ist ein Brandeinsatz besonderer Art zu erwähnen:

"Am 1. Januar 1960 wurde kurz nach Mitternacht Alarm geblasen. Aus dem Dachgestühl des Kuhstalles vom Klostergut Sorsum schlugen die Flammen. Von der Sylvesterfeier ging es zur Brandstelle. Die Hildesheimer Berufsfeuerwehr war mit ihrem Tanklöschwagen als erste an der Brandstelle und gab sofort Wasser." So das Protokoll. Und was das Protokoll nicht aussagt: Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren kamen fast alle von einer Sylvesterfeier. Einige äußerten gegenüber der Berufsfeuerwehr: "Was wollt ihr hier, wir können unseren Brand allein löschen!"
Bei diesem Brand wurde aus 11 Strahlrohren der Wehren von Sorsum, Himmelsthür, Emmerke, Groß- und Klein-Escherde Wasser gegeben bei völliger Dunkelheit, da sämtliches Licht ausgefallen war.

Nach jahrelangen Verhandlungen und Überlegungen erhielt die Wehr im Jahre 1972 ein neues Gerätehaus. Das alte Gerätehaus und das daneben stehende Gemeindehaus (das alte Haus von Rockidocki) wurden durch die Mitglieder der Sorsumer Wehr abgerissen. Der Neubau des Feuerwehrgerätehauses wurde von der Gemeinde Sorsum erstellt und der Freiwilligen Feuerwehr Sorsum am 1. September 1972 zur Benutzung übergeben.

Zur Erweiterung des Musikangebotes in Sorsum wurde am 4. Juni 1974 ein Jugendspielmannszug ins Leben gerufen. 50 Jungen und Mädel meldeten sich und konnten erstmals am 18. Oktober 1975 öffentlich auftreten. Heute ist der Spielmannszug ein selbständiger Zug in der Freiwilligen Feuerwehr Sorsum und hat mit seinen Musikvorträgen immer Beifall geerntet.

Durch das Anwachsen der Wehr, des Musikzuges und des Spielmannszuges erwies es sich bald, dass das Gerätehaus für den gesamten Übungsbetrieb nicht ausreichte. So wurde nach erneuten Verhandlungen mit der Stadt Hildesheim, zu der Sorsum inzwischen eingemeindet war, im Juli 1979 mit der Aufstockung des Gerätehauses begonnen und ein Treppenhaus angebaut. Die hierfür erforderlichen Gelder wurden von der Stadt Hildesheim zur Verfügung gestellt. Sämtliche Arbeiten wurden von freiwilligen Helfern der Wehr, des Musikzuges und des Spielmannszuges mit Unterstützung der Berufsfeuerwehr ausgeführt. Nach 7500 Stunden Eigenleistung konnte am 18. April 1980 nach Beendigung der Arbeiten dieses geschaffene Werk eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden.

1986 wurde das 1. Löschfahrzeug - LF 8 - nach fast 20jährigem Einsatz ausgemustert.

Bei den Feierlichkeiten zum 95jährigen Bestehen der Wehr konnte der damalige Ortsbrandmeister Franz Kohlenberg beim Kommers am 31. Mai 1986 die Schlüssel für ein neues Fahrzeug - LF 8 - entgegennehmen.
Neben allen Einsätzen, Hilfeleistungen und Diensten bei fröhlichen und traurigen Anlässen, soll eine Begebenheit des Jahres 1987 erwähnt werden. Bei der von der Mönchshof-Brauerei veranstalteten Wahl der sympathischsten Feuerwehr wurde die Sorsumer Wehr mit einem 1. Preis bedacht, wodurch die Wehr ein großes Fass Bier bekam.

Die Auszüge aus den Protokollbüchern mögen dem Leser einen kleinen Überblick über die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Sorsum geben.

"Gott zur Ehr,
dem Nächsten zur Wehr",

Dieser Bericht wurde weitgehend der Festzeitschrift zum 100 jährigen Bestehen der Wehr entnommen.